Ein Ausflug zu Dr. Pusinelli (40)

Foto: Dr. Pusinelli (Quelle :Richard Wagner-Verband Dresden)

Foto: Dr. Pusinelli
(Quelle :Richard Wagner-Verband Dresden)

Lieber Richard Wagner,

Graupa, im August 2013

gestern war ich zur Geburtstagsfeier eines Richard-Wagner-Chormitgliedes eingeladen, deshalb schreibe ich dir erst heute. Apropos Geburtstag. Am deinem 30. Geburtstag, dem 22. Mai 1843, hast auch du einen Chor geleitet, richtig? Erinnerst du dich? Die “Dresdner Liedertafel”. Du warst Chorleiter von 1843‒1845. Man gab ein Ständchen für dich, lobte und huldigte dich und prostete dir zu. Sag, lieber Wagner, sangt und trankt ihr im Chiappone? Dem italienischen Weinlokal, das damals hipp und trendy war? Schlossgasse/Ecke Wilsdruffergasse. Von den Decken sollen Salami di Verona, Trüffelwürste, Pommersche Gänsebrüste, Bayonner Schinkenlenden gehangen haben. Lachse, Seefische und Haufen von Südfrüchten neben Terrines aux truffes du Perigord, Caviarfäßchen und gewaltige Käseglocken lagen auf langen Verkaufstischen. Daneben zwei kleine ziemlich trüb beleuchtete Zimmerchen, wo sich die Dresdner Kunst- und Kulturgesellschaft traf. Hier soll schon Carl Maria von Weber beim Betreten des Lokals den Schnee behaglich vom Mantel geschüttelt haben, sich in den belederten Stuhl, der ihm reserviert oder achtungsvoll frei gemacht wurde gedrückt und die Zwerchfelle der Herren mit Geschichtchen, Pößchen oder Zötchen erschüttert haben. Wenn ich die Überlieferungen über das „In-Lokal“ lese, dann kann ich so gar nicht glauben, dass es dir finanziell so schlecht gegangen ist, wie du immer sagst. Das Überlieferte aus dem Chiappone hört sich eher nach großer Prasserei an. Aber vielleicht hast du dich ja auch zurückgehalten, oder bist eingeladen worden. (Weber, Max: Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild. Bd 2, Leipzig: E. Keil, 1866, S. 162-164)

„Noch einen ergebenen und für alle Lebenszeit getreuen, wenn auch seiner Natur nach weniger entscheidend auf meine fernere Lebensentwickelung einwirkenden Freund führte mir die erste Zeit meiner Dresdener Niederlassung zu. Ein junger Arzt, Anton Pusinelli, wohnte mir zur Seite; er wußte sich durch die Berührung, in welche sich die Dresdener Liedertafel mit mir setzte, bei Gelegenheit eines von dieser zu meinem 30. Geburtstage mir gebrachten Ständchens mir persönlich bekannt zu machen und seine ernste, ungewöhnlich innige Ergebenheit zu erkennen zu geben. Er trat mit mir bald in einen ruhig wohltätigen Freundes-Verkehr, wurde mein sorgsamer Hausarzt. . „

[R.W.]

Hat Herr Pusinelli dich eingeladen? Dr. med. Anton Pusinelli?  Seine Verlobte Bertha war die Tochter des Weinwirts Chiappone. Aber das weißt du ja. Aber, lieber Wagner, was du nicht weißt, ist die Tatsache, dass ich der Familie Pusinelli nachgespürt habe. Morgen mehr davon, ich schließe nun, denn ich muss mich heute ein wenig früher ins Bett legen und schlafen. Morgen habe ich einen Ausflug vor, einen Ausflug in die Sächsische Schweiz, nach Rathewalde.

Deine Ulrike

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