Wagner im Stadtmuseum in Dresden (9)

1817 – 1821 Dresden

Am Jüdenhof 391 (Nr. 1, BKT 250) /Ecke Grosse Frauengasse

Dresden, im Mai 2013

Lieber Richard Wagner,

nach dem Besuch im Stadtmuseum habe ich einen kleinen Innenstadtrundgang unternommen, bin deinen Spuren in die Frauengasse gefolgt und zum Jüdenhof, oder wie er heute heißt, „Galerieplatz“. Von dort berichtet uns Glasenapp folgendes:

Zu Ostern 1821 bezog die Familie eine neue geräumigere Wohnung in einem hohen Eckhause alter Bauart am Jüdenhof (jetzt Galerieplatz), vis-à-vis der alten Gemäldegalerie. Es lag am Ausgang der großen Frauengasse auf den Neuenmarkt und bildete somit eine Ecke desselben. Mit Sorgfalt war Geyer auf eine geschmackvolle Einrichtung der neuen Umgebung bedacht und freute sich über die behaglichere, geräumigere Kunstwerkstätte. Bei eintretendem Frühjahr widmete er sich mit besonderer Liebe der Pflege seines Gartens, in welchem er, dem Familienfreuden über alles gingen, seine Lieben noch oft um sich zu versammeln hoffte. ›Wenn ich nichts zu tun habe, gehe ich nicht ins Theater, sondern bußle in meinem Gärtchen‹, schreibt er an Albert. . .
(Glasenapp, Bd. I. S. 66−78)

Zu gerne wüsste ich um das Gärtchen, lieber Wagner. Lag es an der Elbe? Am Weinberg? Oder gar im Hinterhof des Hauses? Leider sind die Häuser zerstört, aber anhand der kolorierten Stiche von dem Künstler J.C.A. Richter, ein Zeitgenosse und Vedutenmaler in Dresden,  können wir uns ein Bild zeichnen. Richters Veduten zeigen in mehr als siebzig kolorierten Darstellungen Stadtansichten von Dresden und Umgebung. Auch jene vom Jüdenhof gehören dazu. Sie erzählen von Kindern, die auf dem Jüdenhof herumtoben, Fangen spielen und Hunde jagen. Du könntest einer von ihnen gewesen sein, lieber Wagner.

Für heute liebe Grüße
deine Ulrike

2 Gedanken zu “Wagner im Stadtmuseum in Dresden (9)

  1. Sehr geehrte Frau Eichhorn,

    sind sie nicht wunderbar, die Bilder von JCA Richter; so kann sich einjeder eine Vorstellung davon machen, wie es aussah in Dresden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Wagner mit seiner Familie dort lebte.

    Ich will mal behaupten, dass die Rekonstruktion der Stadt Dresden ohne die Werke des Malers nicht so erfolgreich wäre; zum einen, weil er vortreffliche Vorlagen geliefert hat, zum anderen zeigt der Vergleich mit den Neubauten die hohe Qualität der Wiederherstellung des Stadtbildes.

    Ich freue mich auf weitere Artikel.

    Mit besten Grüßen

    F. Apel

    • Sehr geehrte(r) Leserin / Leser,
      ja, die Bilder sind sehr informativ und damals von Besuchern Dresdens gerne als Mitbtringsel für die Daheimgebliebenen gekauft worden.
      Diese kleinen Kupferstiche wurden von Helfern des Künstlers aquarelliert und in den Geschäften in Dresden verklauft. So konnten Reisende, wie zum Beispiel Arthur Schopenhauer der in jungen Jahren mit seinen Eltern in Dresden und in der Sächsischen Schweiz unterwegs war, Andenken mit nach Hause nehmen.
      Als Vorlagen für die Rekonstruktion der Dresdner Innenstadt dienten sie vielleicht am Rande, aber eher nicht, denn dafür gibt es detaillierte Angaben in Form von Plänen und Ansichten aus späteren Jahren. Aber meine volle Zustimmung gebe ich für die gelungene Rekonstruktion der Dresdner Innenstadt, die nicht, wie befürchtet und anderorten umgesetzt, zum Zuckerbäckerstil gefunden hat, sondern in gekonnter Weise historisch Überliefertes mit Neugefordertem in den Baubestand integriert.
      Ihnen weiterhin viel Freude mit getannhäusert und gelohengrint.

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