Aktuelles

Liebe Richard-Wagner-Fans,

   Der Fliegende Holländer, Premiere am 28. April 2013 in der Berliner Staatsoper

Der Matrosenchor – ein Katzenjammer!

Das Matrosenlied ist mein Lieblingswagnerstück! Warum? Weil es so kraftvoll, so konsequent und energiegeladen daherkommt. Wenn ich ein Tief habe, dann höre ich dieses Lied, allein, ganz laut. Für mich wirkt der Chorgesang anregend und aufmunternd, ja sogar trotzig. So, nun extra, torz aller Widerniss werde ich die Sache nocheinmal angehen! Das Lied gibt mir in vielen Momenten Kraft.

Nicht gestern abend und auch die ganze Oper lang nicht. Philipp Stölzls Inszenierungen werden ja hoch gelobt. Schon deshalb war ich sehr gespannt und voller Erwartung auf die Aufführung im Schillertheater.

Die Geschichte des Holländers beginnt in einem Bibliothekszimmer des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Wandhohe Bücherwände, die über eine Leiter erreicht werden können, ein monströser Holzschreibtisch, eine Ledersesselsitzgruppe, ein Globus im Drehgestell und an der Wand ein Bild. Ich dachte, gleich kommt Alexander von Humboldt durch die Tür, erzählt uns Heinrich Heines Geschichhte nach Herrn Schnabelowski. Wenn das Bild nur nicht so übergroß gewesen wäre. Aber dies braucht der Regisseur um eine Geschichte in der Geschichte aufzubauen. Während also im Vordergrund auf der Bühne eine niedliche Elsa in der Bibliothek des nächtens in einem riesigen Wälzer die Geschichte liest und darüber hinweg einschläft und träumt, entwickelt sich in diesem riesigen Bilderrahmen die eigentliche Geschichte. Abgesehen, dass dies jetzt kein völlig neuer Gedanke ist, habe ich vieles nicht kapiert, hat mich die Inszenierung mit vielen Fragen hinterlassen:

1. War es Absicht, dass dieses Schiff vom Holländer in das Bild glitt, wie eine Szene in der Augsburger Puppenkiste?

2. Warum war die träumende Elsa so jung und die singende so alt? Der Holländer, mit dem sie unbedingt gehen wollte, verkörperte greise 70 Jahre. Ihr Freund, der Jäger war sehr jung, ganz der lesenden und träumenden Elsa gleich. ?????

3. Warum hatte der Holländer am Ende die vielen Frauen auf seinem Schiff? Wo kamen die alle her?

4. Der Matrosenchor wirkte auf mich wie ein Junggesellenabschied, sollte das so sein?

Wer kann mir dies erklären?

LG Ulrike

  Buchpremiere – Tauchaer Verlag

16. März 2013, 17.00 Uhr, Alte Nikolaischule in Leipzig

Buchpremieren von Richard Wagners Wanderwelt in Sachsen und Wahre Geschichten um Richard Wagner.

Alte Nikolaischule, Richard-Wagner-Aula, Nikolaikirchhof 2, 04109 Leipzig

Richard Wagners Wanderwelt in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt

   Die Feen am 16. Februar in der Oper Leipzig

Ein Märchen, 1833 in Würzburg komponiert, selten gespielt und von Wagner nie als Inszenierung gesehen, wurde es nun anlässlig des 200. Geburtstages in Leipzig auf die Bühne gebracht. Märchenhaft kam es mir nicht daher. In die heuige Zeit hineingeholt beginnt die Inszenierung in einem deutschen Wohnzimmer. Der Hausherr hört Radio. Er lauscht einer Übertragung der Opernaufführung von Die Feen. Es ist Besuch im Zimmer, die Gäste wuseln am Tisch, in der offenen Küche wird mit Geschirr geklappert und als die Gäste sich verabschiedet und die Wohnung verlassen haben, wird die Bühne von dem Herrn in Strickjacke und seiner Gattin in quitschgrünen Gummistiefeln auf dem Weg ins Fitnnessstudio bespielt. Wenn ich nicht dem wunderbaren Gesang hätte folgen dürfen, dann hätte ich mich niemals in einer Oper von Wagner gewähnt. Dieses Märchen birgt so herrliche phantasievolle Ideen, die in keiner Weise in dieser Inszenierung zutage kamen. Schade, ich wäre gerne an dem Abend aus dem Alltag mit dem jetzt nicht gerade heimeligen Wetter entschwunden und in phantasievolle Bilder und phantastische Farben eingetaucht. Stattdessen wurde ich in einem banal eingerichteten Wohnzinmmer empfangen, durfte kurzzeitig in einen kleinen Garten gucken, um dann in einem hässlichen Saal zu schauen, dessen Bühnenbild auch perspektiviasch völlig falsch daherkommt. Warum die Hausfassade mit abgeknickten Fenstern dargestellt wurde, hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen und warum im letzten Feengartenbild plötzlich der imposante Baum fehlte, auch nicht. Über die Kostüme möchte ich lieber nicht berichten, aber Wagner wäre sicherlich nicht einvertanden gewesen. Die Musik und der Gesang hat für alles entschädigt, aber eine märchenhafte Aufführung sehe ich anders.

Vielleicht wird das Werk ja weitere und andere Inszenierungen erleben und Märchen und Phantasie werden neu interpretiert.

Liebe Grüße aus Leipzig

Ulrike

   Rienzi am 30. April in der Deutschen Oper

Cola di Rienzo, was für ein Italiener! Beschäftigt Dichter, Denker, Musiker und tausende von Generationen! Auch Wagner. In Dresden-Blasewitz soll die Idee zum Rienzi entstanden sein, im Sommer 1837, als Wagner den Roman von Lytton-Bulwer las. Wer weiß. “Unser Rienzi” schreibt Wagner an seinen Freund Theodor Apel am 22. 9.1840. Mit Apel hatte Wagner von 1835 bis 1840 und jenem Brief gar keinen Kontakt gehabt, es muss ein Vorspiel zum Rienzi-Plan gegeben haben. Aber wer hatte nicht schon alles über den Cola geschrieben. Schon Petrarca war zu Lebzeiten Rienzos in den 1340igern beeindruckt von dem Mann, Lord Byron zu Goethes Zeiten, dann der damals berühmte Bulwer-Lytton, aber auch der Sachse Julius Mosen, der in den 1840igern ein Theaterstück über Cola verfasste. So lässt sich hervorragend der Bogen in die heutige Zeit spannen. Eine Zeit, in der noch immer Diktatoren Länder regieren und Menschen entwürdigen. Genau diesen Bogen spannt die Inszenierung von Christoph Stölzl. Sie führt vom Italien des 14. Jahrhunderts in die Neuzeit und zeigt uns den deutschen Diktator in weißem Anzug im Führerbunker in lächerlicher Pose. Schöner kann man kaum den Bogen mit Musik und Oper spannen. Ein wahrer Genuss und Anlass langer unterhaltsamer Gespräche. Super!

Vielen Dank und viele Grüße
Ulrike

   Lohengrin-Premiere am 15. April in der Deutschen Oper

“Nie sollst Du mich befragen”, aber ich sag es dennoch: Lohengrin, du warst wunderbar! Klaus Florian Vogt. Ich werde seine eindrucksvolle und klare Stimme noch Tage in meinen Ohren hören, seine zarten Gesänge, imposanten Auftritte und, sofern ich es als Unsachkundige sagen darf, seine tolle Präsenz. Aber auch die Chöre, ganz besonders am Ende des 1. Aktes und Anfang des 3. Aktes haben es mir glatt heiß den Rücken runterlaufen lassen. Leider saß ich in einer der Logen, wo man die Untertexte nicht lesen kann und man insofern auf die Kenntnis des Textes angewiesen ist. Das war ein bißchen blöd, weil ich den Text nicht auswendig kenne und mir somit einige Inhalte verschlossen geblieben sind. Zum Bespiel habe ich die Szene mit der zerlumpten Puppe nicht verstanden. Aber vielleicht kann mir da jemand von den Fans aushelfen und das erläutern. Ronnald Runnicles konnte ich zwar nicht sehen, aber sein Orchester hat mir wahre Freude bereitet und die Zeit ging so rasch dahin, dass ich richtig traurig war, als der Lohengrin endgültig davonzog. Bastiaan Everink, der Heerrufer des Königs und Petra Lang als Ortrud konnte ich sehr gut verstehen und mich über ihren Gesang erfreuen. Eindrucksvoll ist mir auch das Bühnenbild im Gedächtnis geblieben. Der leuchtend rote Vorhang vor dem dunklen Hintergrund, der goldene Rahmen mit dem Münster und die tollen schwarz-weiß Kontraste, eine echte Augenweide. Nur den Schwan am Anfang, den fand ich ein bißchen dürftig dahingezeichnet. Mein früherer Architektenchef hätte gesagt: “Da mußt du noch einmal ein Blatt drüberlegen”, sprich, machs noch einmal.

Ein gelungener und wunderbarer Abend, auch illustre Gäste. Man munkelte, dass auch die Kanzlerin kurz vor Beginn in den Saal schlüpfte. Nicht zu vergessen die Wagner-Enkelin Verena Lafferentz-Wagner, die über 90jährig bis weit nach Ende der Vorstellung auf das Team und die Musikalischen Künstler wartete.

Bald gehts weiter mit dem Rienzi, in 14 Tagen.

Bis bald viele Grüße
Ulrike

 

Werkstattgespräch Lohengrin, Deutsche Oper Berlin

Zur Einstimmung und Vorbereitung der Premiere der Neuinszenierung des Lohengrin am 15. April 2012 wurde von der Deutschen Oper Berlin in der Reihe „Werkstattgespräche“ eine Veranstaltung angeboten, die am 28. März im oberen Foyer der Oper stattfand.

Die abendliche Veranstaltung wurde mit einer Einführung in das Werk eröffnet und mit der Aussicht auf eine Teilnahme der gerade stattfindenden Probe als besonders spannend angekündigt, denn die Besucher konnten die Neuinszenierung des 38jährigen dänischen Regisseurs Caspar Holten auszugsweise bei einer Probe kennenlernen und mit ihm anschließend diskutieren.

Sänger und Chormitglieder proben mittlerweile seit Anfang März auf der Probebühne. Seit einigen Tagen fand die Beleuchtungsprobe statt und nun sollten zum ersten Mal alle Beteiligten auf der Hauptbühne alle drei Akte durchproben, damit der Regisseur mit seinem Team die technische Machbarkeit testen und prüfen konnte. Es galt Korrekturen vorzunehmen, die Abläufe weiterzuentwickeln und die Aufführung zu modifizieren. Um die Stimmen der Sänger nicht zu sehr zu belasten, fanden die Proben anschnittsweise statt, wurden die Texte nur angesungen. Aber Choraufstellung, Auf- und Abgang, Bewegungen der Sänger auf der Bühne und im Bühnenbild, Garderobe und Maskenbild, sowie Vorhangdienst müssen aufeinander abgestimmt werden und wurden deshalb voll durchgeprobt. Das brachte die Besucher des Werkstattgesprächs in den Genuss einer einstündigen Probenbegleitung, die vom dritten Rang aus angeschaut werden konnte.

Das Ensemble hatte seit dem Vormittag 1. und 2. Akt gespielt, nun stand die erste Szene des dritten Aktes zur Probe an. Voller Erwartung schlichen die Besucher in den Zuschauerraum und verteilten sich leise flüsternd in den Reihen.

Der rote Samtvorhang öffnete sich. Im Hintergrund erschien ein riesiger goldener Bilderrahmen. In ihm war das Bild der Fassade des Münsters von Antwerpen zu sehen. Vor dem Bild standen zwei Altarähnliche, mit weißen Laken bedeckte Kuben auf einem hölzernen Fußboden. Man erahnte das Bild als das Innere der Kirche. Auf dem Fußboden waren mit weißer Kreide die Konturen eines liegenden Menschen abgebildet. Sie erinnerten an einen Krimi und seinem Tatort, der mit hellem Licht ausgeleuchtet war. Zwischen Altar und Bilderrahmen gruppierten sich Sänger und Sängerinnen. Mittendrin der Regisseur. Er gab Anweisungen für die Aufstellung, rief in Richtung Beleuchtungspult im Hintergrund und schwang mit den Armen zu der Schar der Sänger, die in Freizeitkleidung noch wenig von der Atmosphäre der bevorstehenden Aufführung vermittelten. Lachen, Durcheinanderreden und Rufe untermauerten die lockere Atmosphäre. Der Regisseur lobte einzelne Sänger, den Chor und auch den Klavierspieler, der im Orchestergraben die Anspielung der jeweiligen Musikpassagen vornahm. Fröhlich klatschte das Ensemble.

Plötzlich wurde das Bühnenbild emporgehoben, der Chor schritt bis zu einer vom Assistenten markierten Position und der Regisseur schrie: „Los, H-Chor und E-Chor zusammen!“ Der Werkstattgesprächsleiter flüsterte leise zur Erläuterung: „das sind Haus- und Extrachor“ und alle intonierten den Brautchor, das bekannteste Lied der Oper. Plötzlich öffnete sich die Menge des Chores und das Brautpaar trat aus der Tiefe der Bühne empor. Langsam schritt es in der Mitte der Bühne auf einem imaginären roten Teppich zum Altar. Der Regisseur lächelte und rief „So ist es schön, es ist Hochzeit, juchu!“ Nicht nur das Ensemble amüsierte sich.

So ging es fort mit Gesangsproben, Szenenwechsel, Bühnenbildwechsel, Beleuchtungsproben, Nebelwolken und Gesängen. Das Ensemble war so sehr in die Aufführung vertieft, dass es dem Regisseur fast nicht gelang die Probe zu unterbrechen und für beendet zu erklären.

Schnell und fröhlicher Stimmung verschwanden alle Teilnehmer des Ensembles von der Bühne: Auch wir Besucher verließen den Zuschauerraum und fanden uns zum Gespräch mit dem Regisseur ein, der nun für Fragen zur Verfügung stand. Caspar Holten, in brauner Cordhose und grauem Pullover gekleidet erschien sogleich. Erwartungsfroh lauschte das Publikum den Ausführungen seines Regiekonzeptes, folgte seinen kleinen Anekdoten und mischte sich ein. Wagnerianer kennen die Werke, die Texte, die Musik. Ihnen kann niemand ein A für ein U vormachen. Engagiert und kritisch hinterfragen sie Konzepte, Regie und Umsetzung. So auch hier. Engagiert, aufbrausend, entrüstet und laut wurden Beiträge aus dem Publikum vorgetragen, doch Herr Holten scheint geübt mit Wagnerianern. Er reagierte gelassen und in guter Stimmung, obwohl ein 12-Stundentag  hinter ihm lag.

Nach angeregter Diskussion verabschiedeten sich Besucher und Regisseur spät am Abend aus der Oper, die nun am 15. April zeigen wird, wie die endgültige Inszenierung des Lohengrin auf der Bühne umgesetzt wird.

Also bis Sonntag, dann mehr von der neuen Inszenierung 2012 in der Deutschen Oper Berlin.

  Palmsonntag, Beethovens 9. Symphonie in der Berliner Philharmonie

Am Palmsonntag in diesem Jahr wurde Beethovens Neunte in Berlin in der Philharmonie gegeben. Richard würde sich sicherlich sehr freuen.

Was denkt Ihr, hat Richard den Grundstein für die Popularität der Neunten gelegt?